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Das leise Komplott entführte aus Alltag


Lemfoerde - WAGENFELD (sbb) · Von Ohr zu Ohr ging der Gruß, den Pianist und Komponist Lutz Gerlach aus Ahrenshoop und Harfenist Thomas Loefke aus Berlin in der Auburg am Samstagabend hinterließen. Ihre Musikrichtung ist in die gängigen Sparten nicht einzuordnen – wie die Künstler selbst.


Sie öffnet aber wie sonst fast keine Kunstrichtung in einem überproportionalen Ausmaß die Möglichkeit, dem oftmals belastenden Alltag für ein Zeitfenster lang zu entfliehen. Was Worpswede für die Menschen zwischen Bremen und Nordsee ist, ist die Künstlerkolonie Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an der Ostsee für die Berliner. Wie es bereits Maler seit über 100 Jahren dorthin zog, entschied sich auch Gerlach zur Stadtflucht aus Berlin, um seinen musikalischen Traum nahe der Naturgewalten von Meer und Lichtstimmungen sinnlich zu leben.


Ihn verbindet die Liebe zum Meer als Kraftquelle und Inspirator der eigenen Kompositionen magisch mit seinem Kollegen Loefke. Ein Traum in Harfe und Piano wurde in Wagenfeld für die etwa 100 Gäste wahr. Ohne Regenmantel und Mütze kamen die klaren Klänge der rauen See, der plätschernden Bäche, der wiegenden Kiefern des „Weststrandes“, des „Fjälls“ oder des „Vogelfelsens“ zu ihnen. Diese gelebte Musik der beiden auf einander eingefleischten Musiker ersetzte manche Gesprächstherapiestunde oder Trancesitzung. Schloss man nur die Augen, vergingen die Sorgen, wohliges Schwindelgefühl stellte sich ein.


Loefke, den es dort hinzieht, wo die Kälte am stärksten, die Stille am leisesten und die Weite am größten ist, tankt dort seine Töne. In Kompositionen gebracht, bedeutete dies für die Gäste „nicht mehr geerdet zu sein – zu schweben“.


Mit seiner kleinen keltischen Harfe und den per Hand zu regulierenden Halbtonklappen, um die chromatischen Rückungen zu gewährleisten, bedeutete dies für ihn in Verbindung mit Gerlach am „Fast- Konzertflügel“ einige Arbeit. Der Pianist malt seine Musik, er lebt ganzheitlich. Für ihn steht jegliche Kunst im direkten Kontext zur gesellschaftlichen Wirklichkeit und sollte keinen Selbstzweck erfüllen. Die Ansagen zu den Musikstücken fallen pragmatisch und humorvoll aus. „Berlin ist laut zum Millennium, Tory Island nicht“, so flieht Loefke dorthin. Seine Stücke sind global, sie entstanden auf seinen Reisen zu den nordischen Inseln, den Shetlands, Färöern und Irland. Für Gerlach verbinden sich Orte mit Musik. „Ich bin vermutlich Musiker geworden, weil mich Orte bestimmten mit ihrer ureigenen Musik“. Das können eine Hotellobby, eine Seebrücke, ein Heimathaus sein. Die Titel verraten viel: „Green points in an autumn landscape“, The snowy birchtrees“, „Weststrand“ oder „Dreamtime“ – alles vertonte Harmonie. „Another space“ macht nur fliegen noch schöner.


Die beiden Künstler fühlen sich in der Auburg in Wagenfeld wohl. Die Weitgereisten freuen sich über den Ort, wo ein Flügel steht und viele Menschen sich treffen. Sie kleiden ihre Empfindungen in Töne und sind Lautmaler. Nach Ahrenshoop lädt Lutz Gerlach seine Gäste in seine im Jahr 2004 erbaute Musikgalerie „Das Ohr“ ein, ein Haus der musikalischen Begegnung mit spirituellem Erfahrungshorizont. Harfenist Thomas Loefke tankt weiter bei Mutter Natur und teilt den Sprit mit seinen Gästen.


Das leise Komplott entführte aus Alltag -  Kreiszeitung.de Diepholz
09.11.10




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